Genügt es, Proben zu fotografieren?

Die Frage müsste man eigentlich weiter ausbauen: „Genügt es, Proben zu fotografieren, um …“ – ja, was genau zu erreichen? Um Content zu erstellen, um nicht aus dem Gedächtnis der Besucher zu verschwinden? Um eine bevorstehende Veranstaltung zu bewerben? Das alles funktioniert ganz gewiss.

Die Frage ist nur, an wen sich diese Bilder richten. Ich zumindest frage mich, worin der Reiz, sogar der Sinn der Vielzahl an Blicken hinter die Kulissen auf Social Media oder auf Websites, mitunter auch in Broschüren für Außenstehende liegen soll.

Der Begriff „Blick hinter die Kulissen“ wirkt oft wie ein Versprechen, das beim Betrachter nicht eingelöst wird – besonders dann, wenn es wirkliche Neugier wecken soll. Denn was den Blick vor den Kulissen vom Blick dahinter unterscheidet, ist nicht bloß ein anderer Ort, sondern eine andere Art von Erzählung.

Viele Institutionen behandeln Probenfotos jedoch so, als wäre schon der Umstand, dass etwas „behind the scenes“ ist, an sich interessant. Für Außenstehende ist das oft gerade nicht der Fall. Gewiss verdienen solche Bilder das Etikett „hinter den Kulissen“, weil sie Künstler abseits der Bühne zeigen. Aber darin erschöpft sich dann schon ihre Aussage.

Solche vermeintlich exklusiven Szenen können für Betrachter völlig uninteressant sein – und oft sind sie es auch: Hier wird ein Instrument gestimmt, dort spricht ein Künstler mit dem Veranstalter, anderswo justiert ein Bühnentechniker einen Scheinwerfer, und dazwischen stehen Instrumentenkoffer. Kaum jemand wird beim Anblick solcher Bilder denken: „Das ist ja interessant!“ Noch seltener lösen sie ein „So habe ich das noch nie gesehen!“ aus.

Das Problem liegt in einer fundamentalen Verwechslung: Man verwechselt den bloßen Bildbeweis mit einer erzählenswerten Geschichte. Damit stehen Kulturinstitutionen allerdings nicht allein. Sie folgen einer allgemeinen digitalen Logik, in der Dokumentieren allzu leicht schon für Kommunizieren gehalten wird.

Interesse entsteht nicht automatisch dadurch, dass etwas gezeigt wird, das normalerweise verborgen ist. Interessant wird ein Vorgang erst dann, wenn er für den Betrachter eine Frage aufwirft, eine Spannung erzeugt oder ihm Zugang zu etwas gibt, das über die bloße Tatsache hinausgeht, dass gerade gearbeitet wird.

Erst an diesem Punkt wird die Frage „Genügt es, Proben zu fotografieren?“ wichtig. Wenn Probenfotografie lediglich belegen soll, dass eine Probe stattgefunden hat, lautet die Antwort: ja. Wenn sie aber Menschen interessieren soll, die mit dieser Welt bislang wenig anfangen können, dann genügt der Zugang hinter die Kulissen allein nicht.

 

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Bilder erschaffen Sprache.

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Worum es mir nicht geht.