Bilder erschaffen Sprache.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten einem Menschen, der bislang keinen Bezug zu klassischer Musik hat, diese Welt mit einigen wenigen Wörtern beschreiben – und zwar so, dass er neugierig darauf wird. Welche Wörter würden Sie verwenden?

Exzellenz? Perfektion? Meisterschaft? Tradition?

Möglich. Schließlich Begriffe, mit denen klassische Musik gerne beworben wird. Sie erzählen von außergewöhnlichem Können, hohen Ansprüchen und einer Kunstform, die über Jahrhunderte hinweg Bedeutung erlangt hat und haben ihre Berechtigung. Aber macht das jemanden neugierig?

Wählen wir stattdessen eine andere Kategorie von Wörtern: Arbeit, Dienst, Übung, Routine. Mit diesen Wörtern könnte man das Gros der Probenfotografie umschreiben – sofern sie nicht in die erste Kategorie fallen.

Nun sind auch diese Begriffe nicht falsch. Eine Probe ist nun einmal Arbeit. Aber warum sollte das jemanden interessieren? Dass Musiker arbeiten, bevor sie auf einer Bühne spielen, ist ungefähr so überraschend wie die Tatsache, dass in einem Restaurant gekocht wird, bevor das Essen auf den Tisch kommt.

Versuchen wir es deshalb mit einer dritten Kategorie: Spannung, Risiko, Schönheit, Intensität. Mit diesen Wörtern verändert sich etwas. Sie versprechen, dass etwas geschehen könnte, das es wert ist, erlebt zu werden.

Damit uns diese Wörter in den Sinn kommen, braucht es allerdings Bilder, die sie ermöglichen. Wenn Wörter Vorstellungen und Bilder in unserem Kopf aufrufen und Fotografien ihrerseits Deutungsrahmen aktivieren können, lässt sich fragen: Welche Wörter ermöglicht eine Fotografie – und, das halte ich für noch wesentlich interessanter, welche erschwert sie?

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Ah, Ihr habt geprobt.

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Genügt es, Proben zu fotografieren?