Was ich versuche anders zu machen.

Please scroll down to read the english version.

Kennen Sie die Fotografien der britischen Fotografin Tish Murtha?

Stellen Sie sich vor, Sie sehen einen Film oder eine Serie. Und während Sie zuschauen, entsteht plötzlich das Bedürfnis, hinter das Fernsehgerät zu blicken – weil Sie spüren, dass hier etwas geschieht, das weder im Bild noch im Dialog sichtbar wird, aber dennoch existiert.

Genau das leisten Murthas Fotografien.
Es gibt stets ein Motiv im Vordergrund und einen Hintergrund, der ebenfalls eine Geschichte erzählt. Doch diese Geschichte ist nicht eindeutig. Im Gegenteil: Trauer verwandelt sich nach einigen Sekunden in Freude, vermeintlich fröhliche Momente kippen in emotionale Katastrophen. Bedeutungen verschieben sich. Sicher Geglaubtes wird fragil.

Diese Ambivalenz fasziniert mich – das Zweideutige, das Nicht-Aufgelöste. Und genau diese Ambivalenz möchte ich auch in meinen Orchesterfotografien sichtbar machen.

Natürlich folgt Orchesterfotografie anderen Regeln als Street Photography. Der Raum ist ein anderer, die Abläufe sind klarer strukturiert, die Rollen scheinbar eindeutig verteilt. Und doch liegt mein Anspruch darin, einen bewussten Bruch zu setzen: einen Bruch mit der subtilen, aber hartnäckigen Vorstellung, Orchester seien immer kontrolliert, elegant, harmonisch – fein gekleidet und emotional eindeutig.
Dieser Bruch entsteht nicht aus Distanz oder Provokation, sondern aus Nähe, Vertrauen und tiefem Respekt gegenüber den Musiker:innen und ihrer Arbeit.

Mich interessiert nicht das fertige Bild von Musik, sondern der Moment davor, dazwischen, danach. Der Moment, in dem Konzentration kippt, Müdigkeit sichtbar wird, Zweifel auftauchen oder nicht zu bändigende Freude entsteht. Proben sind keine Inszenierungen, sondern Arbeitsräume mit all ihren Facetten des menschlichen Lebens.

Meine Fotografien wollen diese Zwischenzustände festhalten. Nicht als Provokation, sondern als Einladung genauer hinzusehen – und Orchester nicht als perfekte Maschinen, sondern als lebendige, arbeitende Gemeinschaften wahrzunehmen.

What I try to do differently

Are you familiar with the photographs of the British photographer Tish Murtha?

Imagine watching a film or a series. And while you are watching, you suddenly feel the urge to look behind the television screen—because you sense that something is happening that is not made visible through images or dialogue, yet undeniably exists.

That is precisely what Murtha’s photographs achieve.
There is always a subject in the foreground and a background that tells its own story. Yet this story is never unambiguous. On the contrary: grief turns into joy after a few seconds, seemingly cheerful moments tip into emotional catastrophe. Meanings shift. What felt certain becomes fragile.

It is this ambivalence that fascinates me—the ambiguous, the unresolved. And it is this same ambivalence I aim to bring into my photography of orchestras.

Of course, orchestral photography follows different rules than street photography. The space is different, processes are more clearly structured, roles appear more clearly defined. And yet my intention is to introduce a conscious rupture: a break with the subtle but persistent notion that orchestras are always controlled, elegant, harmonious—well dressed and emotionally unambiguous.
This rupture does not arise from distance or provocation, but from closeness, trust, and respect for the musicians and their work.

I am not interested in the finished image of music, but in the moment before, in between, and after. The moment when concentration falters, fatigue becomes visible, doubt emerges, or unrestrained joy appears. Rehearsals are not performances; they are working spaces, with all the facets of human life they contain.

My photographs seek to capture these intermediate states—not as provocation, but as an invitation to look more closely, and to perceive orchestras not as perfect machines, but as living, working communities.

Weiter
Weiter

Was ist da drin? oder Warum behind the scenes - Fotografie eine zentrale Botschaft beinhaltet.